Blog Jordanien

Jordanien ist ein faszinierendes Reisziel: Jahrtausendalte Kultur und spannende Wüstenlandschaften, das gibt es so nur noch in Ägypten und doch ist Jordanien ganz anders.

Wer das erst mal nach Jordanien kommt, wird überrascht sein. Die in anderen arabischen Touristenzielen so verbreitete, aufdringliche "Bazarmentaltät" fehlt hier vollkommen! Man kann als Tourist ganz unbehelligt durch den Bazar von Amman streifen, die Leute reagieren respektvoll scheu und höflich. Überall überrascht die Freundlichkeit der Leute. (Von einige wenigen Ausnahmen abgesehen, die es natürlich wie überall auf der Welt gibt)

Ein weiterer Unterschied zu anderen islamischen Ländern: Alkohol ist präsent. Der Arrak, ein Anisschnaps vergleichbar mit dem Raki oder Pastis, ist Nationalgetränk und wird dem Gast überall angeboten. Auch eigenes Bier wird in Jordanien gebraut.

Und in Jordanien kann man wandern, das ist nur in wenigen arabischen Ländern möglich. Und dieses Wandern auf dem Jordan Trail ist wirklich außergewöhnlich, eine Zeitreise in eine andere Welt. Der Weg ist fast nirgends markiert, ja nicht mal als Weg erkennbar, man braucht also die Beduinen als Führer. Und sie sind auch die einzigen, die in der Wüste dem Wanderer Essen und Unterkunft bieten. Das war letztendlich auch der Plan der jordanischen Regierung bei der Schaffung dieses Fernwanderweges, nämlich den außerhalb der bekannten Sehenswürdigkeiten in der Wüste ansässigen Beduinen ein Auskommen und eine Perspektive durch sanften Wandertourismus zu bieten.

Dieser Plan ist aufgegangen. Die Landflucht ist zurückgegangen, die Beduinen habe ihre Chance als selbständige kleine Unternehmer entdeckt und angefangen zu einem kleinen bescheidenen Wohlstand zu kommen. 

Doch auch der Wanderer profitiert: Er gewinnt einen erstaunlichen Einblick in die Beduinenkultur. Wir sind letztes Jahr ein Stück des Jordan Trails gegangen. Bilder davon kannst du hier sehen:

   BILDERGALERIE WÜSTENTREK JORDANIEN 2019  

Die nächste Tour von Gay-Aktivreisen in Jordanien findet im Oktober statt:

 16. - 24.10.20 JORDANIEN: WÜSTENTREKKING VON DANA NACH PETRA   

Und wie sieht es mit Corona aus? 

Dazu ein kleiner Rückblick: Jordanien ist neben Libanon das Land, das weltweit am meisten Flüchtlinge pro Einwohner aufgenommen hat. Das Eindringen des Virus in die riesigen Flüchtlingslager oder auch in die dichtbevölkerten ärmeren Viertel der Millionenmetropole Amman galt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Relativ bald nach Bekanntwerden der ersten Fälle hat die jordanische Regierung daher reagiert. Es kam zu sehr drastischen Ausgangssperren. Niemand durfte unter extremer Strafandrohung seine Wohnung verlassen – nicht mal mehr zum Einkaufen. Das Militär zog auf, kontrollierte scharf und verteilte gleichzeitig Lebensmittel. Das Autofahren wurde komplett verboten, alles wurde geschlossen, die Landesgrenzen abgeriegelt. In einer späteren Phase kündigten dann Sirenen den Anfang und das Ende einer mehrstündigen Ausgangserlaubnis pro Tag an. 

Die Bilanz dieser Maßnahmen kann sich sehen lassen.Trotz einer Ausweitung der Tests gibt es nur 981 bestätigte Fälle und nur 9 Tote im ganzen Land (Stand 17.06.20). Das ist eine Bilanz, von der andere Urlaubsziele in der Region wie die Türkei oder Ägypten nur träumen können. Oder auch die reichen Golfstaaten, die trotz größerer finanzieller Ressourcen zur Bekämpfung viel schlechter dastehen.

Doch der Preis für die harten Maßnahmen war hoch. Die jordanische Wirtschaft ist zum Erliegen gekommen. Der Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren im Land, steht still. Nun soll er wieder in Gang kommen, die jordanische Regierung hat einen Plan zur Wiederöffnung des Landes vorgelegt und wir werden nach jetzigem Stand in ein sicheres Land mit rekordverdächtig niedrigen Infektionsgeschen reisen können.

In Amman wird wirst du von unsem deutschsprachiger Guide Hussam begleitet werden. Lies hier mein Interview mit Hussam:

Hussam, du unterrichtest Deutsch für junge Jordanier. Deutsch ist schwer und keine Weltsprache. Was motiviert junge Leute in Jordanien dazu deutsch zu lernen?

Hussam: Ich glaube, dass Deutsch bald auch eine Weltsprache sein wird. Heutzutage lernen viele Leute weltweit Deutsch. Also ich unterrichte nicht nur junge Leute, sondern auch Erwachsene. Die Erwachsenen unterrichte ich in einem Institut, und die meisten sind Ärzte*innen oder Ingenieure. Sie machen das, damit sie in Deutschland arbeiten können.

Die Jugendlichen treffen die Entscheidung in der Schule, Deutsch zu lernen, um in Zukunft in Deutschland zu studieren, und das wollen entweder sie oder ihre Eltern. Ehrlich gesagt bis jetzt hat niemand mir gesagt, dass er/sie Deutsch lernt, weil er/sie Deutsch interessant findet. Ich meine, nicht wie diejenigen die Französisch oder Spanisch lernen. Aber das finde ich schon, ich mag Deutsch, und ich habe eine richtige Leidenschaft für diese Sprache, und auch meine Schüler*innen/ Studenten*innen sind so. Am Anfang lernen sie Deutsch nur, weil sie in Deutschland arbeiten oder studieren wollen, aber mit der Zeit bilden sie ein richtiges gutes Verhältnis zu dieser Sprache.

 

Wie denken die Jordanier deiner Erfahrung nach über Deutschland?

Hussam: Sie finden meine Erfahrung nach Deutschland richtig interessant. Sie fragen mich ständig über Deutschland. Ist Deutschland ein schönes Land? Wie ist die Atmosphäre dort im Sommer? Sind die die Deutschen nett, sympatisch oder kalt, wie das Stereotyp sagt? Wie schmeckt das Bier in Deutschland? Ist der Alkohol in Deutschland billig? Hast du viel in Deutschland gesoffen? Bist du dich mit vielen befreundet? Sind die deutschen Männer hübsch? Sind die deutschen Frauen hübsch?........Sind die Deutschen ganz pünktlich und organisiert? Ich habe gehört, dass die Verkehrsmittel in Deutschland ganz anders sind. Ist das so? Können Muslime in Deutschland halal essen? Wie ist die Natur in Deutschland? Gibt es viel Grün in Deutschland? Wie siehen die Städte in Deutschland aus? Konntest du die Umgangssprache und die Dialekte verstehen? Ist das Leben in Deutschland genauso teuer wie in Amman? Schmeckt die deutsche Küche gut, oder besteht sie nur aus Kartoffeln? ........ Und viele andere Fragen. 

 

Du hast auch schon in Deutschland gelebt, was könnte Deutschland von Jordanien lernen?

Hussam: Ich mag lieber über Menschen und nicht über Länder sprechen, deswegen würde ich sagen, dass die Deutschen von den Jordaniern Dankbarkeit lernen können. Die Deutschen haben fast alles, ein ganz gutes Leben. Also fast alles in Deutschland ist viel besser als das, was wir in Jordanien haben. Die Gehälter sind ganz besser..., die Krankenversicherung ist viel besser, die Infrastruktur ist super in Deutschland finde ich, die Deutschen haben wenigere Arbeitsstunden, verdienen aber gelichzeitig viel mehr als wir. Ja, wir Jordanier arbeiten viel mehr als die Deutschen, es ist nur ein Klischee, dass die Deutschen mehr als die anderen Nationen arbeiten. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit nicht hoch in Deutschland. Ja, das weiß ich schon, dass auch in Deutschland Arbeitslose gibt, aber es gibt auch viele Lösungen, also Zum Beispiel wenn man keine Stelle in seinem Bereich findet, kann man ja) auch eine Umschulung, Weiterbildung, Zweitstudium in manchen Fällen, und es gibt auch Agenten, die ihm helfen können, das zu schaffen....

Mit einem deutschen Pass ist auch die Welt fast ohne Grenzen, sie können überall verreisen ohne richtige Hindernisse. Das können die Jordanier nicht schaffen, deswegen neigen die Jordanier dazu nicht viel zu verreisen. Und mit all diesen Vorteilen, die die Deutschen haben, sind viele Deutsche undankbar. Die Deutschen beschweren sich viel zu viel fast über alles. Das stört mich echt viel an den Deutschen. Wir Jordanier haben diese Vorteile nicht, aber zugleich sind wir ganz dankbar, und wir danken Gott für alles, was wir schon haben und hatten. Ich denke, viele Jordanier sind zufriedener mit ihrem Leben. Die Deutschen sollten das verstehen, dass die Dankbarkeit der Schlüssel zum Glück ist. 

 

Und was können Jordanier von den Deutschen lernen?

Hussam: Jordanier können von den Deutschen lernen, wie man Respekt vor Zeit hat, Jordanier sind nicht ganz so pünktlich wie die Deutschen. Sie können auch lernen, wie sie mit Perfektion arbeiten könnten. Ich glaube, dass die Deutschen richtig Perfektionisten sind....aber ja manchmal fehlt den Deutschen auch die Spontanität an der Arbeit. .. Das Leben der Deutschen finde ich auch richtig interessant; sie arbeiten hart, aber zugleich feiern sie am Feierabend, am Wochenende, und im Urlaub richtig. Sie verreisen viel and ständig, sie machen viele Partys&Festivals...

Das Leben den Jordanier finde ich ein bisschen langweilig. Also Reisen machen wir selten, Partys sind nicht so üblich in Jordanien. Manchmal denke ich, dass Jordanier nur arbeiten, essen und schlafen. Sie leben nicht hart, wie die Deutschen. Allerdings sind die Jordanier doch keine langweiligen Leute. Sie sind mega lustig, voll gastfreundlich, herzliche Leute mit großen Herzen, und es ist ganz einfach, hier in Jordanien sich mit neuen Menschen befreunden...Heute lernt der Jordanier dich kennen, morgen lädt er dich zum Mittagessen mit seiner Familie und Freunden in seinem Haus ein, und es ist ein Muss die Einladung anzunehmen, und dorthin zu gehen.

Die Leute sind gebildet in verschiedenen Bereichen und Mehrsprachigkeit ist was gewöhnliches hier. Ich glaube auch, es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den Deutschen und den Jordaniern. Beide haben viele Flüchtlinge, und sie gehen mit diesen Menschen (Flüchtlingen) ganz freundlich mit. Sie betrachten sie eher als Mitmenschen, die im Bedürfnis sind, und nicht buchstäblich als Flüchtlinge. Beide sind direkt; also ja die Jordanier sind nicht ganz so direkt wie die Deutschen, aber wenn zum Beispiel ein Jordanier euch mag oder nicht mag, könnt ihr das von seiner Körpersprache, Gestik, oder Memik erkennen. ..

Als ich in Deutschland war, waren die Deutschen ganz ganz ganz freundlich und gastfreundlich mit mir. Ich kann dir viele Beispiele nennen. Ich bin mich auch mit vielen Menschen in Deutschland befreundet, und sie haben mich von dem ersten Tag zu ihrem Haus eingeladen... Ehrlich gesagt finde ich, dass die Jordanier von allen Arabern der deutschen Mentalität am nächsten sind. Also vergesst die Religion und die Traditionen auch, weil sie ganz anders und unterschiedlich sind, aber die persönlichen Eigenschaften der beiden Nationen sind ähnlich. Ich glaube, es gibt nicht ganz viele Jordanier in Deutschland, aber wenn ihr uns besucht, werdet ihr das vielleicht merken.

 

Homosexualität ist ein Tabuthema in Jordanien. Glaubst du, die Toleranz in Jordanien wird in der Zukunft wachsen oder wird es eher wieder konservativer werden?

Hussam: Homosexualität ist ein Tabuthema gesellschaftlich, aber es keine Gesetze gegen Homosexualität in Jordanien, deswegen ist die Situation in Jordanien im Vergleich mit den anderen arabischen Ländern ganz gut. Die Homosexualität in Jordanien ist keine Straftat wie in Ägypten, Syrien, dem Irak, Saudi-Arabien (werden Homosexuellen hingerichtet), dem Yemen, Qatar, Marokko, Algerien, Tunesien........ Außerdem gibt es in Amman einige schwulfreundliche Kneipen, Cafés und Plätze. Es gibt auch LGBT-Aktivisten - Organisationen. Also zurzeit wird die Gesellschaft offener für die Homosexualität, aber das heißt nicht, dass Homosexualität eine ganz normale Sache in Jordanien ist. Wir stehen immer noch am Anfang des Weges.

 

Wie lebt es sich als Schwuler in Jordanien deiner Erfahrung nach?

Hussam: Ich lebe eher heimlich schwul in Jordanien. Ich versuchte mal mich zu outen, als ich an der Uni war, aber dann hatte ich deswegen an der Uni eine schlechte Erfahrung, und ich will es nicht wieder in Jordanien wiederholen. Ansonsten treffe ich mich mit vielen schwulen Freunden, wir gehen zusammen aus, manchmal machen wir Partys in den Schwulfreundlichen Kneipen, und wir machen ab und zu Veranstaltungen, um über die Themen zu reden, die etwas mit der Homosexualität zu tun haben. Also ja wir können meistens das nicht öffentlich und überall in Jordanien machen, aber zumindest gibt es ein Schwules Leben in Jordanien, und ich bin dankbar dafür. 

 

Laut Medienberichten hatte Jordanien den härtesten Corona Lock Down weltweit und wurde international dafür gelobt, die Infektion gut in den Griff zu bekommen. Wie war dieser Lockdown für euch?

Hussam: Die Quarantäne und die Ausgangssperre waren richtig streng und ganz langweilig in Jordanien. Also es war uns mega langweilig, aber wir wussten das, dass die Regierung haben das für unseren Vorteil gemacht, und das jordanische Volk ist ein gut gebildetes Volk, deswegen waren wir verständnisvoll, und haben den Regeln in der Zeit der Ausgangssperre gefolgt. Am Ende waren die Sicherheitsmaßnahmen richtig erfolgreich, und teilweise kehrt wieder die Normalität in Jordanien ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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